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Mit Kindern beten – warum und wie?

Mit Vorschlägen für die Praxis

Kinder brauchen das Gebet

Kinder wollen die Welt entdecken und verstehen lernen. Sie sind neugierig und wissbegierig. Alles interessiert sie. Das Laute und das Leise, das Bunte und das Triste. Ihr Entdeckergeist treibt sie voran. Aber sie haben auch das Bedürfnis nach Ruhe und Besinnung.

Kinder fragen nach Gott. Sie haben religiöse Bedürfnisse. Es interessiert sie, wo er wohnt, ob er sie beschützt, ob er auch schläft. Sie wollen mit ihm reden. Das sind ganz natürliche Fragen und Interessen von vierjährigen Kindern wie Nicole. Stefanie ist in der zweiten Klasse. Auch sie ist neugierig und will verstehen, was Gott macht. Sie schreibt ihm: „Warum hast Du den Himmel blau und das Gras grün gemacht? Waren das die einzigen Farben, die Du hattest?“

Wenn ein Kind keine Möglichkeit bekommt, sich mit religiösen Fragen auseinander zu setzen, kann es durchaus Schaden nehmen. Das behauptet zumindest der Tübinger Pädagoge und Theologe Friedrich Schweitzer. Verzichten Eltern auf religiöse Erziehung, ist die gesunde Entwicklung des Kindes gefährdet. Oft werden Kinder bei ihren existentiellen Fragen nach Glauben, Sterben und Sinn alleine gelassen.

In den Jahren der frühen Kindheit ist es wichtig, dass sich Kinder geborgen fühlen können, dass sie sich behütet und beschützt wissen. Dadurch entwickeln sie Vertrauen. Vertrauen in sich selbst, in andere und in die Welt. Geborgenheit kann aber erst dann von den Erwachsenen vermittelt werden, wenn diese sich selbst geborgen fühlen, wenn sie Hoffnung haben. Tragende Hoffnung strahlen Menschen aus, die eine Beziehung zu Gott haben.

Beim Beten erlebt das Kind, dass es außer den Erwachsenen noch jemanden gibt, der in ihrem Leben wichtig ist. Dem man alles anvertrauen kann – gute und schlechte Erlebnisse. Das kann Kindern im Leben helfen und entlastet sie. Gott ist sogar jemand, zu dem man reden kann, wenn einen kein Erwachsener versteht. Durch Beten erleben Kinder die Gewissheit, nie alleine zu sein: Gott ist da, zu ihm kann ich beten, mit ihm kann ich reden, ihn kann ich mit ins Leben hinein nehmen.

Erwachsene, die mit ihren Kindern beten, vermitteln ihnen eine Geborgenheit, die das ganze Leben tragen kann. Gleichzeitig erziehen sie ihre Kinder aber auch zur Selbstständigkeit, denn das Gebet kann zu einem Ort werden, an dem sich das Kind eigenständig und unabhängig von den Erwachsenen fühlt. Ingo ist ein Beispiel dafür. Er macht gerade eine schwierige Phase durch, weil er ein Geschwisterchen bekommen hat und sich die Erwachsene viel Zeit für das Baby nehmen. Ingo hat das Gefühl zu kurz zu kommen und ist eifersüchtig. In dieser Situation hat er den “lieben Gott” als Gesprächspartner entdeckt. Mit ihm kann man reden, das weiß er. Bei den ‚Grashüpfern’, seiner Kindergartengruppe, wird gebetet. Sie machen das an Geburtstagen, aber auch zum Beispiel, als Sven im Krankenhaus war. Mit Gott kann man also auch reden, wenn es schwierig wird, das hat Ingo erfahren.

Sein Problem, das er mit dem neuen Brüderchen hat, kann er mit den Eltern nicht besprechen. Der Vierjährige hat die Erfahrung gemacht, dass die Eltern gleich explodieren, wenn er sagt, was er auf dem Herzen hat. Einmal, als das Baby lange und laut schrie, hatte Ingo vorgeschlagen, ins Krankenhaus zu gehen und den kleinen Bruder zurückzugeben. Die Eltern reagierten entsetzt und sagten, er solle sich solche Gedanken aus dem Kopf schlagen und den Bruder gefälligst lieb haben. Darum betet er: „Lieber Gott, das Baby ist grässlich, es schreit und schreit nur den ganzen Tag. Papa und Mama sind nur noch für das Baby da. Wenn du es nicht wieder zurück nimmst, werde ich mein Zimmer nicht aufräumen.“

Auch wenn Gott wohl nicht auf die Drohung eingehen wird, ist dieses Gebet wichtig für Ingo. Er versucht, mit Gott zu verhandeln. Er will, dass seine Erwachsene sich mehr um ihn kümmern. Es stört ihn, dass er ihre Aufmerksamkeit teilen muss. Bei Gott kann er das offen aussprechen, was die Erwachsene auf gar keinen Fall hören wollen. Dadurch entlastet ihn sein Gebet. Beim Beten kann er seine Wut und seine Aggression loswerden. Das hilft ihm, eine neue Einstellung zu seinem Brüderchen zu bekommen. Er lernt, damit fertig zu werden, dass der Bruder bleibt. Nachdem er ein Ventil gefunden hat, seine Wut und seinen Ärger herauszulassen, fällt es ihm leichter, Kontakt mit dem Bruder aufzunehmen. Er merkt, dass es Spaß macht, dem Kleinen ein Spielzeug hinzuhalten, nach dem er greift. Spielerisch entwickelt sich eine Beziehung zwischen den beiden, und bald will Ingo seinen Bruder nicht mehr loswerden. Auch sein Ärger ist vorerst vergessen.

Miteinander beten, das ist ein großes Geschenk, das wir haben, vor allem, wenn wir mit dem Gebet Jesu, dem „Vater unser“ beten. Im Gebet sind wir alle gleich vor Gott als seine Kinder, ob groß oder klein. Vielleicht fällt es uns leicht, mit den Kindern unmittelbar und spontan zu beten. Gott öffnet uns eine Tür zu seiner Welt, seine Nähe ist gewiss.

Unser Vorstellungsvermögen kann Gott nicht fassen

Eine Geschichte erzählt:

Im Teich am Waldrand schwammen eine kleine Plötze und eine Kaulquappe zwischen den Wasserpflanzen. Die beiden Freunde waren unzertrennlich. Eines Morgens entdeckte die Kaulquappe, dass ihr über Nacht zwei kleine Beine gewachsen waren. „Guck mal“, sagte sie stolz, „Guck doch mal, ich bin ein Frosch!“ „Quatsch“, sagte die Plötze, „wie kannst du ein Frosch sein, wenn du noch gestern Abend ein Fisch gewesen bist, genau wie ich!“ Sie redeten und redeten, bis schließlich die Kaulquappe sagte: „Frosch ist Frosch und Fisch ist Fisch, so ist das nun mal!“

In den Wochen darauf wuchsen der Kaulquappe auch vorn winzige Beine, und ihr Schwanz wurde kleiner und kleiner. Und eines schönen Tages kletterte ein richtiger Frosch aus dem Wasser heraus auf die Wiese. Aber auch die kleine Plötze hatte sich inzwischen zu einem richtigen Fisch ausgewachsen. Oft fragte sie sich, wo ihr vierfüßiger Freund wohl geblieben war. Mit einem fröhlichen Plumpsen, das die Wasserblumen ganz durch einander brachte, hüpfte dann eines Tages der Frosch in den Teich. „Wo bist du gewesen?“, fragte der Fisch aufgeregt. “Ich bin an Land gewesen”, sagte der Frosch. “Ich bin überall herumgehüpft, und ich habe ganz seltsame Sachen gesehen.” “Was denn?” fragte der Fisch. „Vögel“, sagte der Frosch geheimnisvoll. „Vögel!“ Und er erzählte dem Fisch von den Vögeln. „Sie haben Flügel und zwei Beine und viele, viele Farben. „Während der Frosch redete, stellte sein Freund sich die Vögel vor: Er sah sie durch seinen Kopf fliegen, die Vögel. Sie sahen in seiner Vorstellung wie große gefiederte Fische aus. „Was noch?“ fragte der Fisch ungeduldig. „Kühe“, sagte der Frosch. „Kühe! Sie haben vier Beine, Hörner, fressen Gras und tragen rosa Säcke voll Milch.” “Und Menschen!” sagte der Frosch. “Männer, Frauen, Kinder! Und er erzählte und erzählte, bis es im Teich dunkel war.“

(Leo Lionni, Fisch ist Fisch, 8. Aufl., Köln 1970)

Der Fisch in seinem Teich stellte sich die Kühe und Menschen, von denen der Frosch ihm erzählt hatte, wie Fische vor. Der Fisch hat in seinem Leben nichts anderes gesehen als Fische, deshalb stellte er sich alles in Fischgestalt vor. In seinem Kopf waren es die Kühe und die Menschen Fische. Nur hatte die einen noch einen Euter, vier Beine und Hörner. Und die anderen liefen in seinem Kopf als aufrecht stehende Fische, ausgestattet mit zwei Beinen, Hut, Mantel und Stock umher.

Draußen außerhalb des Teiches lag die Welt, die der Fisch im Gegensatz zum Frosch nicht kannte. Alles was er hörte, stellte er sich so vor, wie er es sich nur denken konnte, nach dem, was er bisher in seinem Teich gesehen hatte.

Der Mensch stellt sich Gott vor, aber Gott ist Gott und Mensch ist Mensch. Auch wir Menschen haben Schwierigkeiten, uns etwas vorzustellen, was wir aus unserer Umwelt nicht schon kennen. Unsere Vorstellungskraft reicht nur soweit, dass sie beschreibt und neu zusammen sortiert, was wir irgendwo schon einmal gesehen oder erlebt haben. Wir Menschen reden von Gott und versuchen uns Gott vorzustellen. Unsere Vorstellungskraft, unsere Gedanken können ihn aber nicht fassen. Der Mensch redet von Gott und setzt dabei, bewusst oder unbewusst, ständig seine eigenen Verhältnisse und Möglichkeiten voraus. Somit wird jedes Bild, das wir uns von Gott machen, falsch, denn Mensch ist Mensch. Es ist ärgerlich und beunruhigend, dass unsere menschlichen Möglichkeiten, die sich tagtäglich ausdehnen, nicht ausreichen, um uns Gott vorzustellen. Unsere Vorstellungskraft, unsere Gedanken, können Gott nicht fassen.

„Wie einen alten Mann, der einen langen Bart trägt, so stelle ich mir Gott vor“, antwortete ein 10-jähriger Schüler auf die Frage, welches Bild er von Gott habe. Viele von uns stellen sich Gott so vor. Wir ordnen ihm dann menschliche Züge und Verhaltensweisen zu. So wird jedes Bild, das wir uns von Gott machen, falsch. In der Bibel heißt es: „Du sollst dir kein Bildnis, noch irgend ein Gleichnis machen.“ Dieses Gebot war für die Menschen des Alten Testamentes noch ungewöhnlicher als für uns heute. Damals, ca. 1000 Jahre vor Christus, war es üblich, sich Bilder von Göttern zu machen, sie als Figuren aufzubewahren und sie anzubeten. Sich von Gott kein Bild zu machen, war ungewöhnlich aber Gott ist nicht in Bildern zu fassen oder in Figuren zu finden. Das Gebot: “Du sollst dir kein Gleichnis oder Bildnis von Gott machen”, sollte zeigen, dass Gott alle Bilderrahmen sprengt.

Mensch ist Mensch. Wir können Gott nicht erfassen, nicht denken und nicht beweisen. Aber viele biblische Bilder beschreiben, wie Gott ist – wie er zu uns sein will. – Das ist gut, daran können wir uns halten. Wenn wir zu Gott beten, können wir Geborgenheit, Nähe und Wärme spüren. Gott ist mehr als alle Vorstellungen von ihm.

Gerade Kinder schaffen es immer wieder, ihre oft menschlich geprägten Vorstellungen von Gott aufzugeben und von ihren Erfahrungen mit ihm zu reden. In einer Grundschulkindergruppe sah Thorsten den lieben Gott so: „Gott hat einen kleinen Kopf und einen Bärenkörper. Seine Beine sind wie Stecknadeln. Er hat Entenfüße und zwei Riesenohren. Er wohnt in einer Wolke mit hässlichen Tieren an der Wand. Er ist freundlich und gut und sorgt dafür, dass die Kriege aufhören. Ich glaube, dass er uns lieb hat.“ Thorstens Vorstellung ist von vielen Eindrücken geprägt. Er sah bei einem Jäger zum ersten Mal in seinem Leben ausgestopfte Vögel, Iltisse und Wiesel an der Wand. Das sind die ‚hässlichen Tiere’. Den Eindruck des Jägerzimmers hatte er nicht verkraftet. Dass er es jetzt zu Gottes Zimmer machte, war eine Form der Bewältigung. Er weiß, dass Gott zuhört, deshalb hat er Riesenohren. Gott ist überall, dafür stehen in Thorstens Leben die Entenfüße. Enten schwimmen auf dem Wasser und können fliegen. Sein Gottesbild wird jedes Mal neu durch Lebenseindrücke geprägt. Letztendlich ist ihm aber wichtig, was Gott macht.

„Man könnte sich ja fragen,“ meinte Katharina, „wie Gott zu gleicher Zeit bei allen sein kann. Ich glaube, er ist über die ganze Welt ausgebreitet, er ist unsichtbar und wir atmen ihn ein, und nachts geht er wieder aus uns heraus. Ich glaube, er geht wieder aus uns heraus, um über uns zu wachen und um ganz sicher zu sein, dass uns nichts passiert und wir auch rechtzeitig schlafen gehen.“

Katharinas Vorstellung von Gott ist abstrakt, weil er nach ihrer Überlegung bei allen ist und alles behütet. Das ist für sie sehr beruhigend. Wichtig ist Kindern, wie Gott ist und wie er handelt. Ihre Vorstellungen von ihm ändern sich in der Regel und wachsen mit.

Praxisteil

Traditionelle Gebete können regelmäßig als Morgen- und Abendritual gebetet werden. Auch, wenn in diesen Sprache und Vorstellungen den Kindern fremd sein können, bietet diese Art des Betens gemeinsamen Gesprächsstoff und die Gebete wachsen ins „Großwerden“ mit hinein. Wenn sie zum Ritual werden, ist der Vollzug wichtiger als der Inhalt. Das widerspricht nicht der gleichzeitigen Aufforderung kindgerechte, nicht niedlich Gebete zu sprechen. Im Folgenden einige Anregungen: Hallo Gott, weißt du, was ich heute gemacht habe? (Das Kind erzählt von seinem Tag.) Jetzt nehm’ ich (Name eines Kuscheltiers, der Puppe oder ähnliches) in den Arm und schlafe – lass’ es dir gut gehen!

Mandalas malen

Malen Sie mit den Kindern zusammen Mandalas aus. Es gibt im Buchhandel eine Vielzahl von Mandala-Malbüchern, aber Sie können ganz einfach auch eigene Kreisbilder entwerfen, denn nahezu alles lässt sich so darstellen. Sie können auch ein Lied im Kreis aufschreiben. Ein Kreisbild, das Sie ausmalen, hilft, sich zu zentrieren, die eigene Mitte zu finden

Fantasiereisen

Die anschließende Anleitung zur Fantasiereise will einen Weg zur Gotteserfahrung öffnen. Sie ist für eine Gruppe interessierter Erwachsene gedacht, aber auch mit Kindern durchführbar.

In dieser Reise geht es um die unmittelbare Gotteserfahrung:

„Gott ist der, der immer sein wird. Weder Bilder noch Namen werden ihn erklären. Er bleibt uns voraus, ist unfassbar für uns. Und trotzdem finden wir ihn immer wieder, z. B. im Gebet. In allen Lebenssituationen ist er uns nah. In der Meditation erschließt er sich uns. Wir wollen ihm begegnen, so wie Mose am Dornbusch (vgl. 2. Mose 3). Bitte setzen setzten Sie sich bequem hin, die Hände liegen in Form einer geöffneten Schale in ihrem Schoß, die Augen können Sie schließen, wenn Sie mögen. Sie gehen durch die Wüste, es ist heiß, sehr heiß. Die Luft flimmert. Ein paar gelbe Halme rechts und links – sonst nichts. Plötzlich entdecken Sie etwas: Feuer, etwas brennt in hellen, gelb-roten Flammen. Sie gehen näher heran. Ein Busch brennt und verbrennt doch nicht. Eine Stimme ruft Ihren Namen. ‘Gehe nicht näher heran, diese Erde gehört Gott’. Sie fallen auf die Knie. Jetzt wissen Sie, es ist Gott, der mit Ihnen redet. Was will er? Sie sind gemeint, für ihn sollen Sie da sein …. Aber wer bist du, Gott, wie heißt du, wie soll ich dich nennen? Hören Sie, was die Stimme Ihnen sagt (eine Minute Schweigen). Bitte öffnen Sie die Augen und schauen Sie sich um, strecken Sie sich, wir kommen in den Kreis zurück. Bitte tauschen Sie sich, jeweils zu zweit aus. Was haben Sie gesehen und gehört? Wer will, kann uns allen nachher von seiner Erfahrung bei der Fantasiereise berichten.“

Die folgende Fantasiereise kann in Situationen weiterführen, in denen es um Reifung und Weiterentwicklung geht:

„Das Leben eines Schmetterlings. Sein Leben beginnt als Ei. Im Ei ist der ganze Schmetterling angelegt. Auch das Leben der Menschen beginnt im Kleinen. Aber der Mensch, die Person, die sich einmal entwickeln wird, ist von Anfang an angelegt. Auch der Mensch macht viele Stadien im Leben durch, verwandelt sich und reift. Auf das Ei folgen die Raupe, dann die Puppe und der Falter.

Die vielgestaltigen Raupen haben kauende Mundwerkzeuge, kurze Fühler, meist sechs Punktaugen. Sie sind oft bunt, glatt oder haben Warzen, Dornen, Haare. Die Raupen leben meist von Blättern, Früchten und Samen. Das Stadium der Raupe: Entfalten, sich Entwickeln. Denken Sie an Ihr Leben, wann und wo gab und gibt es solche Phasen der Entfaltung und Entwicklung (zwei Minuten Stille)?.

Die Puppen nun, das nächste Entwicklungsstadium, ruhen in einem von der Raupe gesponnenen Kokon im Boden oder hängen mit einem Spinnfaden an Bäumen und Steinen. Ja, diese Phasen gab es auch in Ihrem Leben. Zeiten, in denen sich nichts tat, nichts vorwärts ging. Vielleicht waren es auch nötige Ruhephasen, Schutz- und Wandlungsräume (zwei Minuten Stille).

Nun ist er da, dieser große schöne, farbige, bewegliche Schmetterling! Mit den Facettenaugen kann er Farben wahrnehmen, er hört auch gut. Größe, Gestalt und Färbung der Schmetterlinge sind sehr unterschiedlich. Jeder ist anders. Lebenslust und Farbigkeit verkörpern sie. Wer den Weg mitgeht im Leben zwischen ‘aktiv sein’ und ‘auf der Stelle treten’, zwischen Raupe und Puppe, der reift und entfaltet sich zum lebendigen Schmetterling.“

Folgender Vorschlag ist für eine Kindergruppe gedacht: Der Besuch im Paradies:

„Legt euch hin, versucht ruhig zu werden und die Augen zu schließen. Ich lade euch ein, heute einen ganz besonderen Ort zu besuchen. Wir besuchen das Paradies. Zuerst müssen wir durch den dichten Wald gehen, immer weiter und weiter bis zu Lichtung, wo die Rehe mit ihren Kitzen fressen. Es ist ganz hell. Wir gehen dem Himmel entgegen. – Der öffnet sich. Wir sind im Paradies. Was seht ihr? Blumen – Bäume – Menschen – Tiere – und vielleicht auch Gott? (Zeit lassen, Themen nur anregen, damit sich die eigenen Bilder entwickeln können). Es ist ruhig und warm – wie riecht es? Geh’ durch den schönen Garten – wo gefällt es dir am Besten? Bleib’ dort noch eine Weile (Zeit lassen). Der Besuch im Paradies geht zu Ende. Kommt langsam wieder hierher zurück. Macht die Augen auf, reckt und streckt euch. – Und nun erzählt, wenn ihr wollt.“

Es wird interessant sein, zu erfahren, wie es den Kindern ergangen ist. Sie werden hören, was für Kinder das ‚Paradies’ ist. Wahrscheinlich sehen sie Dinge, die sie auch in Wirklichkeit gerne so hätten. Wir erfahren viel über ihre Vorstellungen und Wünsche. Die Kinder werden auch erzählen, ob sie Gott begegnet sind. Sehr unterschiedliche Gottesvorstellungen werden da sein. Alle in ihrer Unterschiedlichkeit wahr- und ernst zu nehmen, ist wichtig für die Kinder. Sie können vieles nebeneinander stehen lassen. Das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu Toleranz.

Beten mit Leib und Seele: Das Vaterunser

Das Vaterunser können wir in meditativer ‘Körpersprache’ beten. Man kann sich mit den Kindern gemeinsam Vorschläge für die Gebärden überlegen oder folgenden Vorschlag übernehmen:

Vater unser im Himmel Die Arme werden gerade in Richtung Himmel gestreckt.
geheiligt werde dein Name Die Arme gehen zum Körper, die Hände treffen sich auf dem Herzen
dein Reich komme Von der Körpermitte gehen offene, empfangende Hände nach vorne
dein Wille geschehe die Arme kreuzen sich vor der Brust, der Kopf neigt sich nach vorne
wie im Himmel       Hände werden gerade nach oben gestreckt
so auf Erden Hände zeigen nach unten auf die Erde
unser tägliches Brot gib uns heute die wie eine Schale zusammengenommenen  Hände, werden an den Mund geführt
und vergib uns unsere Schuld wir schütteln uns, lassen alles von uns abfallen
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern wir reichen uns die Hände, eine Versöhnungsgeste
und führe uns nicht in Versuchung Arme gehen waagrecht nach vorn, Handflächen  senkrecht nach vorne. Eine Abwehrgeste
sondern erlöse uns von dem Bösen Die Hände treffen sich in Höhe des Herzens vor der Brust, wir öffnen die Arme weit, als wenn wir jemandem empfangen wollen
denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit die geöffneten Arme gehen nach oben
in Ewigkeit, Amen Wir nehmen uns an den Händen.

Dr. Heiderose Gärtner, O Gott, mein Kind will beten, Claudiusverlag

Viele junge Eltern haben ein distanziertes Verhältnis zu Kirche und christlichem Glauben. Häufig begegnen sie religiösen Fragen durch ihre Kinder: Wenn im Kindergarten gebetet wird oder Freunde erzählen, dass sie zu Hause beten, entstehen bei den Kindern viele Fragen. Die Erwachsenen sind oft hilflos und wissen keine Antwort. Behutsam nähert sich die Theologin Dr. Heiderose Gärtner den Ängsten und Vorbehalten verunsicherter Eltern. Sie zeigt Wege auf, wie verschüttete Zugänge zum Gebet wieder entdeckt werden können. Durch die kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Gottesbildern und dem Ausprobieren unterschiedlicher Gebetsformen wird es möglich, eine persönliche Spiritualität zu entwickeln. Dadurch können sie Ihre Kinder auf ihrem Weg in ein gelingendes Leben begleiten. Mit vielen konkreten Tipps und Gebetsvorschlägen. (www.familiengebet.de)