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3. Kernfrage: Glaube und Wissen

2. April 2013 | Erstellt von Arbeitskreis Thema Glaube

In welchem Verhältnis stehen Glaube und Wissen? Nicht erst seit der Aufklärung werden Wissenschaft und Wissen als die überlegene Erkenntnisform gegenüber dem Glauben angesehen. Wissenschaft und insbesondere Naturwissenschaft wird für den besten Weg zur Erkenntnis der Wirklichkeit gehalten, auch weil er zur Verbesserung der menschlichen Lebensbedingungen beiträgt. Wird der Glaube demgegenüber zu gering eingeschätzt? Woher lassen sich heute und in Zukunft Lebenssinn und Wertbewusstsein empfangen? Es ist notwendig, Glaube und Wissen zutreffend zu unterscheiden und eine Vermischung zu vermeiden.

Zum gesamten Text der 3. Kernfrage

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5 Kommentare

  • Tobias D. schrieb:

    Ich muss meinem Vorrredner Horst Scheitel widersprechen: Ich denke nicht, dass die Wichtigkeit eines Glaubensinhalts von seinen ethischen Implikationen abhängig gemacht werden kann. Erstens würde dies verneinen, dass alle Glaubensinhalte miteinander zusammenhängen; andererseits würde die Kirche dann letztlich zu einer ethisch-sozialen Institution werden, deren Aufgaben auch von säkulären Institutionen (vielleicht sogar besser) getragen werden könnten. Natürlich ist Ethik wichtig, aber sie muss sich aus einer reichhaltigen Quelle speisen, um wirklich kraftvoll zu sein: Der liberale Protestantismus klammert bestimmte Glaubensfragen wie die nach dem Wesen Gottes, der Auferstehung Christi oder, wie von meinem Vorredner angesprochen, “ob Jesus Gottes Sohn” ist, aus, weil die Antworten, welche der vormoderne christliche Mainstream auf diese Fragen gab, nicht mehr tragfähig sind. Dass die Antworten nicht mehr zeitgemäß, sind, bedeutet jedoch nicht, dass diese Fragen nicht immer noch von Christen und Nichtchristen, ja von jedem Menschen gestellt werden.

    Anstatt sich in reformatorischen Floskeln zu ergehen, deren Sinn ohnehin niemand mehr wirklich mittragen kann (etwa die Notwendigkeit einer Rechtfertigungslehre aufgrund einer Erbsündenlehre, an die heute wohl kaum noch jemand ernsthaft glauben wird), oder sich auf den scheinbar sicheren Boden eines rein ethischen Christentum zu stellen, der jedoch vom säkularen Humanismus viel besser erfüllt werden kann, weil er weniger von religiösen Vorstellungen vorbelastet ist, sollte die Kirche die Glaubensfragen der Menschen ernst nehmen und bei ihrer Beantwortung auch eine schonungslose Offenheit an den Tag legen und besonders betonen, dass nach dem Tod Gottes keine definitiven Antworten auf diese Fragen mehr möglich sind oder dass schon die Formulierungen dieser Fragen heute problematisch sind. Wird die Frage “Ist Jesus Gottes Sohn?” im Sinne des analytisch-logischen Denkens, das die meisten Menschen heute an den Tag legen, verstanden, müsste sie eigentlich heißen: “ist Jesus der biologische Nachkomme eines männlichen menschlichen Elternteils?” Die Frage ist in ihrer Originalform unsinnig, weil die Vorerwartungen der Fragensteller nicht mehr mit unserem heutigen Weltbild vereinbar sind – religiöse und naturwissenschaftliche Ebenen des Sprechens werden wie ein Knäuel ineinander verwirrt. Aus diesen Gründen können auch Floskeln von der “Liebe Gottes”, von Rechtfertigung, vom Sünder und Gerechten heutzutage nicht mehr als ein wohliges Gefühl von Traditionsbeheimatung auslösen: Die Bilder und Analogien sind aus der Historie übernommen worden, aber ihr Sinn ist heute niemandem mehr ersichtlich. Und wenn die Bilder für das substituiert werden, was sie annäherungsweise abbilden sollen, stirbt der Glaube.

    Deshalb sollte sich die Kirche, will sie weiterhin eine Sinnstiftungs-Institution und nicht nur eine soziale Einrichtung sein, den Menschen helfen, in den Fragen, welche zur Etablierung des christlich-protestantischen Glaubens geführt haben, in ihrer Tiefe zu erfassen und zu erkennen, dass es die gleichen Fragen sind, welche auch den heutigen Menschen existentiell berühren. Allein schon Fragen nach dem Grund und dem Sinn unserer materiellen Existenz bewusst zu formulieren, kann dem menschlichen Leben eine Tiefe und ein Getragensein verleihen, das weit über das Herumdoktern an Symptomen wie in einem rein ethischen Christentum, herausreicht. Doch dafür muss die Kirche, auch dem gemeinen Kirchenvolk gegenüber, die Sicherheit überkommener Floskeln verlassen und noch deutlicher machen, dass diese keinen Zweck in sich selbst haben, sondern auf eine Wirklichkeit verweisen, zu deren Erforschung die protestantischen Kirchen mit ihrer kulturell bedingten Sichtweise einen zwar bedeutetenden, aber nur partikularen Beitrag leisten können. Nur so kann meiner Meinung nach Glaube wieder nicht nur als ängstliches Festhalten an überkommennenen Glaubenssätzen, sondern als ein begründetes Vertrauen in eine Wirklichkeit, die alle menschlichen Einzelperspektiven übersteigt, lebendig werden.

  • AK schrieb:

    Der Teil und das Ganze – Wissen und Glauben
    „Die Quantentheorie ist ein so wunderbares Beispiel dafür, daß man einen Sachverhalt in völliger Klarheit verstanden haben kann und gleichzeitig doch weiß, daß man nur in Bildern und Gleichnissen von ihm reden kannˮ (Werner Heisenberg). Unter Klarheit des Sachverhalts ist das transparente Bindegewebe der Mathematik gemeint, die zu einem abstrakten Verständnis führt, ohne auf sinnliche Erfahrungen und Vorstellungen zurückgreifen zu müssen.

    Es gibt aber auch Fähigkeiten wie die der Künstler, die dem Lebendigen innewohnen. „Potenzialität ist wie: Melodien im Ohr, von denen wir nicht wissen woher sie kommenˮ. Es fällt uns jedoch schwer, mit diesen über den Alltag hinausgehenden Fähigkeiten der Empfänglichkeit umzugehen, „die weit über das Begreifbare hinausreichen, aber menschliche Erfahrung entzünden und beflügeln.ˮ
    Diese Zitate zeigen, daß sich auch für Naturwissenschaftler Möglichkeiten des Glaubens erschließen können. Ja, daß wir für „das Ganzeˮ einer Empfänglichkeit bedürfen, die Erfahrungen möglich macht. Denn auch für die Religionen ist Glaube ja nicht ein „Bescheidwissen ˮ über metaphysische Personen oder Sachverhalte, sondern zuerst und vor allem Empfänglichkeit für „das leise Wehenˮ des Geistes und Sinn für eine Wirklichkeit hinter der geschichtlichen Realität. Religion ist „die Transparenz des Begegnenden für die letzte Wirklichkeit.ˮ Und sie kommt aus der Begegnung mit dem, „was mich unbedingt angehtˮ, wie Paul Tillich das ausgedrückt hat. Eben dies ist der Grund, warum die hebräische Bibel, aber auch Jesus und die Evangelien von Gott erzählen, ihn aber nicht definieren.

  • Johnc652 schrieb:

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  • Hartmut Neumann schrieb:

    hiermit möchte ich auf meine weiteren Artikel in meiner oben angegebenen Webseite hinweisen. Zur Kernfrage 3 empfehle ich meinen Artikel “Die Wahrnehmung des Göttlichen” zu lesen. Diesem Artikel liegt die Mystik des Franz von Assisi zugrunde. Siehe auch “Ein anderer Aspekt Gottes” eben dort.

  • Horst Scheitel schrieb:

    Zwischen umgangssprachlichem und religiösem Verständnis des Wortes „glauben“ sehe ich keinen Unterschied: Man weiß etwas nicht genau, vertraut aber darauf bzw. behauptet trotzdem, dass es stimmt.
    Entscheidend ist, wozu ein Glaubensinhalt benötigt wird!
    Beim Fällen einer wichtigen Entscheidung überbrückt z.B. ein Glaube das Restrisiko, das durch unzureichendes Wissen vorhanden ist. Man möchte schließlich von seiner Entscheidung überzeugt sein. Glauben und Wissen sind hier also die 2 Komponenten einer Überzeugung, die das Eingehen eines selbstverantworteten Wagnisses begründet. In diesem Fall hat „glauben“ die Bedeutung von “vertrauen”, auch ohne dass sich „vertrauen“ auf religiöse Inhalte bezieht.
    Glaubensinhalte, von denen keine Lebensentscheidungen abhängen, haben eigentlich untergeordnete Bedeutung und eher Hobbycharakter. Beispielsweise ändert sich durch Diskussion der Frage, ob Jesus Gottes Sohn und damit ebenfalls Gott ist, nichts an der sich öffnenden Schere zwischen Arm und Reich.

    Echte Glaubensinhalte sind solche, die niemals vom Wissen erfasst werden können. Viele Glaubensinhalte dagegen betreffen Wissen, das aus den verschiedensten Gründen nur nicht herangezogen wird.
    Wissen muss geglaubt werden, wird also wieder zu Glauben, je mehr es Spezialwissen ist, das vom Anwender nicht überprüft werden kann.