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10. Kernfrage: “Meine”? Kirche

2. April 2013 | Erstellt von Arbeitskreis Thema Kirche

Auch das Verständnis der Kirche hat sich gewandelt. Ist das eine Organisation, eine von Jesus gegründete (Lebens-? Glaubens-?)Gemeinschaft, die Verwalterin göttlicher Gnade oder die Vertreterin und Interpretin des göttlichen Willens hier auf Erden? Für die eigene Antwort auf solche Fragen sind nicht nur die Kirchengeschichte, die kirchliche Lehre und das christliche Glaubensbekenntnis zu berücksichtigen, sondern auch die Kritik an der Kirche und das zunehmende Auftreten anderer Religionen. Ist auch die Frage „Was habe ich von einer Mitgliedschaft in der christlichen Kirche?“ berechtigt? Welchen Wert hat die Lebensbegleitung der Kirche (u.a. mit Taufe, Konfirmation, Eheschließung, Bestattung)? Wie wirkt sich Kirche auf den eigenen Glauben aus?

Das Nachdenken darüber kann das eigene Verhältnis zu dieser Organisation bewusster, ergiebiger und aktiver werden lassen.

Zum gesamten Text der 10. Kernfrage

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7 Kommentare

  • Rudolf Reichert schrieb:

    Ich denke, Kirche, das ist nicht eine Institution. Ich denke, Kirche, das ist die Gemeinschaft der Glaubenden. Und diese Gemeinschaft umfasst, auch wenn es unfassbar klingt, alle Konfessionen und Religionen. Alle Menschen haben einen Glauben. Selbst Atheisten haben ihn. Wir alle wissen nicht woher das Leben kommt und wie es nach dem Tod weitergeht. Wir alle haben eine Vorstellung, einen Glauben über den Urgrund des Seins, den manche Schöpfer nennen oder Gott. Jesus von Nazareth hat ihn Vater genannt. Wir alle haben darüber eine Vorstellung, eine Meinung. So lange wir hier auf unserem Planeten leben, sollten wir, in Ehrfurcht und Respekt vor der Meinung unserer Mitbürger, tolerant und achtsam zusammen leben. Wir können den, der nicht unserer Meinung ist, der mit unserem Glauben nicht übereinstimmt, verachten oder gar töten. Das ist sicherlich nicht der richtige Weg. Deshalb hat die Gemeinschaft der Glaubenden den Auftrag: tolerant, achtsam und offen miteinander umzugehen. Unter diesen Voraussetzungen müssen sich sodann Konfessionen (Glaubensgemeinschaften, Religionsgemeinschaften) bilden. Glaubensgemeinschaften (Konfessionen) haben die Aufgabe, eine bestimmte Glaubensrichtung zu sammeln und deren Grundsätze für alle verständlich zu formulieren. Aus der so entstehenden Vielfalt kann der einzelne dann auswählen, und er kann auch dort eine geistige Heimat finden. Eine Glaubensgemeinschaft aber, die nicht tolerant, achtsam und offen mit anderen Konfessionen umgeht, die trägt den Todeskeim schon in sich. Konfessionen müssen in Zukunft nach einer Einheit in der Vielfalt suchen. Das ist nötig um in Zukunft Frieden und Freiheit weltweit zu gewährleisten und die seit Anbeginn der Welt aktive (und damit gottgewollte) Evolution zu gewährleisten. Auf dieser Basis, so meine ich, entsteht das was wir Kirche nennen könnten. Rudolf Reichert am 25 3 15

  • AK schrieb:

    Die verwaltete Gottheit – Von Priestern und Propheten
    Sehr früh bereits versuchen die Menschen auf die ihr Leben bestimmenden Mächte Einfluss zu gewinnen. So gehört die Darbringung von kultischen Opfern von Anfang an zum innersten Kern der Religion. Die Gabe an die Gottheit soll deren Hilfe und Segen als Gegengabe bewirken.
    Weil vom Funktionieren dieses Tauschverhältnisses das jeweilige Wohl und Wehe der entstehenden Gesellschaften abhängt, geht es schon in den frühen Kulturen alsbald darum, diesen Einfluß auch zu verwalten. Als Mittler zwischen der Gottheit und den Menschen fungieren die Schamanen, die Priester und Priesterkönige. Auch die heutigen Pfarrer stehen in dieser Tradition.

    Unter der von ihnen verwalteten Sprache und rituellen Praxis gibt es aber noch einen viel tiefer gehenden Erfahrungsbereich, nämlich den der elementaren Begegnung mit dem „Heiligenˮ.
    Religion ist demnach eine erlebnishafte Begegnung mit heiliger Wirklichkeit und ein antwortendes Handeln des vom Heiligen existentiell bestimmten Menschen.

  • AK schrieb:

    Kirche und Glaube
    Die Reformation hat mit ihrem vierfachen „Alleinˮ die Differenz zum römisch-katholischen Kirchenbegriff formuliert: „Solus Christus, sola scriptura, sola gratia, sola fideˮ: Allein Christus, allein die Heilige Schrift, allein durch die Gnade und allein durch den Glauben.
    „In der evangelischen Kirche … geht es um den Glauben des Einzelnen. Der entsteht zwar auch in der kirchlichen Gemeinschaft durch das Hören auf Gottes Wort. Aber die Gewißheit des evangelischen Glaubens bezieht sich direkt und ausschließlich auf das Evangelium von Jesus Christus, auf die in der Predigt gegebene Zusage des Heils und der Gnade. Die Verkündigung dieses Evangeliums geht nie in der kirchlichen Lehre, in Dogmen oder Bekenntnissen auf, weshalb die evangelischen Kirchen nicht einen Anspruch auf absolute Wahrheit und Autorität erheben. Sie kennen keine irdische Instanz, die aufgrund eines „übernatürlichen Glaubenssinnesˮ unfehlbar für alle Gläubigen und im Namen Gottes sprechen könnte, wie es im Zweiten Vatikanischen Konzil formuliert ist.ˮ Diese reformatorische Grundhaltung drückt sich aus in der Formel „ecclesia semper reformanda estˮ.

    In der katholischen Kirche steht der Glaube der Kirche im Mittelpunkt. Die Kirche glaubt. Glauben heißt Mit-Glauben mit der Kirche. Der einzelne empfängt und bekennt seinen Glauben in der kirchlichen Gemeinschaft und er hängt im Glaubensgehorsam dem an, was die Kirche durch ihr unfehlbares Lehramt, den Papst als letzte Instanz, als christlichen Glauben verbindlich verkündet.

  • Bund freies Christentum schrieb:

    Die Kirche soll zu dem stehen, was als Ergebnis theologischer Forschung vorliegt. Sie soll den Mut haben, daraus Konsequenzen zu ziehen. Wenn ein Pfarrer seine Gemeinde wider besseres Wissen in der Meinung hält, “Schrift und Bekenntnis” könnten noch in der gleichen Weise wie etwa vor 400 Jahren verstanden und verbindlich gemacht werden, so ist dies ein unwahres und unwürdiges Verhalten.

    • Rudolf Reichert schrieb:

      Ja, ich kann nur zustimmen. Kirche soll zu dem stehen was als Ergebnis theologischer Forschungen vorliegt. Sie soll den Mut haben, daraus Konsequenzen zu ziehen. Deshalb sind wir auch, meine Frau und ich, nach 40 Jahren ehrenamtlicher Mitarbeit, aus der Katholischen Kirche ausgetreten. Wir mussten leider feststellen dass wir nichts mehr ändern können. Dabei hat doch Jesus selbst vor 2000 Jahren schon gesagt: “Noch vieles hätte ich euch zu sagen; aber ihr könnt es jetzt noch nicht ertragen. Wenn jener aber kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch zur vollen Wahrheit führen”( Joh.16, 12-13). Bis heute hat uns der Geist über die Forschung schon 2000 Jahre lang berichtet, aber immer noch sperrt sich die Kirche. Im Falle des Galilei hat es 400 Jahre gedauert bis die Kirche halbwegs zu gegeben hat, dass sie irrte. Für uns ist deshalb Kirche nicht mehr eine Institution sondern wirklich nur noch die “Gemeinschaft der Glaubenden”. Nur: Wo finden wir die, die wirklich glauben? Leute die tollerand, achtsam und offen sein können?

    • Rudolf Reichert schrieb:

      Meine Kirche

      Ich denke, Kirche, das ist nicht eine Institution. Ich denke, Kirche, das ist die Gemeinschaft der Glaubenden. Und diese Gemeinschaft umfasst, auch wenn es unfassbar klingt, alle Konfessionen und Religionen. Alle Menschen haben einen Glauben. Selbst Atheisten haben ihn. Wir alle wissen nicht woher das Leben kommt und wie es nach dem Tod weitergeht. Wir alle haben eine Vorstellung, einen Glauben über den Urgrund des Seins, den manche Schöpfer nennen oder Gott. Jesus von Nazareth hat ihn Vater genannt. Wir alle haben darüber eine Vorstellung eine Meinung. So lange wir hier auf unserem Planeten leben, sollten wir, in Ehrfurcht und Respekt vor der Meinung unserer Mitbürger, tolerant und achtsam zusammen leben. Wir können den, der nicht unserer Meinung ist, der mit unserem Glauben nicht übereinstimmt, verachten oder gar töten. Das ist sicherlich nicht der richtige Weg. Deshalb hat die Gemeinschaft der Glaubenden den Auftrag: tolerant, achtsam und offen miteinander umzugehen. Unter diesen Voraussetzungen müssen sich sodann Konfessionen (Glaubensgemeinschaften, Religionsgemeinschaften) bilden. Glaubensgemeinschaften (Konfessionen) haben die Aufgabe eine bestimmte Glaubensrichtung zu sammeln und deren Grundsätze für alle verständlich zu formulieren. Aus der so entstehenden Vielfalt kann der einzelne dann auswählen, und er kann auch dort eine geistige Heimat finden. Eine Glaubensgemeinschaft aber, die nicht tolerant, achtsam und offen mit anderen Konfessionen umgeht, die trägt den Todeskeim schon in sich. Konfessionen müssen in Zukunft nach einer Einheit in der Vielfalt suchen. Das ist nötig um in Zukunft Frieden und Freiheit weltweit zu gewährleisten und die seit Anbeginn der Welt aktive (und damit gottgewollte) Evolution zu gewährleisten. Auf dieser Basis, so meine ich, entsteht das was wir Kirche nennen könnten.

  • Günter Hegele schrieb:

    Petra Bahr nennt in der ZEIT (Nr. 19: Bewegt euch!) zu Beginn des Kirchentages in Hamburg Möglichkeiten für Veränderungen in de Kirche, darunter:
    • Vergesst die Kirche! Stellt euch das Christentum wieder als eine Bewegung vor, eine Gottesvolkbewegung auf einem gemeinsamen Weg!
    • Macht Platz für das Evangelium! Reformation ist eine Aufräumaktion. Der Funke der Erneuerung des Christentums entzündet sich an der Deutung des christlichen Glaubens.
    • Habt Mut zur Theologie! Es ist an der Zeit, die theologischen Gehalte des Christentums neu zu entdecken. Wie kann man heute von Sünde reden? Wird es nicht Zeit, das Jüngste Gericht mal wieder gegenüber all den medialen Weltgerichten in Stellung zu bringen?
    • Vergesst das Denken nicht! Wissenwollen und rastlose Neugier vertragen sich mit Glauben. Der Protestantismus ist eine Bewegung des Selberdenkens. Deshalb ist es fahrlässig, den Knoten zwischen dem Glauben der Kirche und den Wissenschaften zu lösen.
    Viele Kernsätze des christlichen Glaubens und Bibelworte werden heute auch von Mitgliedern der Kirchen nicht mehr verstanden und nur noch teilweise akzeptiert. Erkenntnisse der Naturwissenschaften gelten als Gegensätze zu Glaubenslehren. Das führt bei manchen Christen zur Abkehr vom traditionellen Glaubensbekenntnis, wie es bis heute in den Kirchen gesprochen wird. Daneben gibt es zunehmend die Bereitschaft zu individuellen Formen des Glaubens und des Bekenntnisses, sowie Offenheit für alternative religiöse Vorstellungen, die an eine Evolution des christlichen Glaubens denken lassen.
    Die evangelischen Kirchen sollten darauf eingehen.